Under Pressure..... "Der Preis der Größe heist Verantwortung" (Bowie / Churchill)
Hinein in den Prüfungsstress und heraus mit der dem Trainerschein. Dazwischen ereignete sich allerhand erbauliches und anderes.....!
Im Monat Oktober 2005 kamen 23 Trainer C Anwärter, Trainer B Absolventen und Nachprüflinge in einer großen und somit auch immer etwas chaotischen Gruppe zusammen um die jeweilige EWU Westerntrainer Qualifikation zu erwerben. Wir trafen uns mit unserer Kursleiterin Marina Perner auf einer Reitanlage im Kreis Warendorf. Die erste logistische Meisterleistung bestand darin in dem Schulungsraum einen Sitzplatz zu ergattern, sein Köfferchen mit den Theorieunterlagen unterzubringen (ohne den obligatorischen Kaffe vom Tisch zu fegen ) und dabei noch genügend Ellenbogenfreiheit zum Umblättern der Seiten zu finden. In dieser intimen Enge stärkten wir unser Immunsystem für die bevorstehenden Wochen durch „close contact“ mit den Nachbarn und dem jeweils aktuellen Grippevirus. Der fehlende Individualspielraum verkürzte die Zeit des Kennen Lernens. Ruck-Zuck war das Eis gebrochen und die Durchführung der Theoriemaßnahmen bescherte uns nettes Beiwerk. Die etwas kränkliche Traineranwärterin Marie verfiel nach stundenlangem Knuspern von Knabbergebäck regelmäßig in einen sms-Wahn und daraufhin in den Genesungsschlaf, zwei andere bemühten sich vergeblich Wort für Wort das Gehörte mitzuschreiben, während Carola erfolglos mit dem Hofkater um das Frühstücksbrötchen kämpfte. All dessen unbeirrt präsentierte Marina ihren Stoff hervorragend. Es gelang ihr auch immer wieder durch ihre Erfahrungen einen Realitätsbezug herzustellen, was zumindest im Bereich Sportlehre sicher nicht immer ganz einfach war. Wir beschlossen gespannt auf die Ankunft der B-Trainer zu warten und konnten uns nicht vorstellen wie wir die zusätzlichen neun Teilnehmer an unseren Tischen noch unterbringen sollten, evtl. stapeln? Auf jeden Fall wollten wir aber von den immerhin 2 Herren der Schöpfung eine Reitvorführung im String-Tanga abverlangen um für unsere „QuetschTheorie“ entschädigt zu werden. An dieser Stelle liebe Grüße an die tapferen Herren Stefan und Andreas, welche die Riesenhühnergruppe so elegant ertragen haben .
Nun aber zur Praxis....
Es folgten Tage der Arbeit, Stimmtraining für die Unterrichtserteilung, mentales Training für die persönliche Darstellung hierbei, Brain-Training für den Erinnerungsfaktor Theorie und Frustrationsbewältigungstraining für das Nichtbegreifen des Aufbaues einer Lehrprobe. Ach ja... und überhaupt: Training mit unseren Pferden um evtl. bestehende Rückstände aufzuholen und unsere vierbeinigen Mitstreiter für die Prüfung fit zu machen. Wer bis dato noch kein Problem bei sich und seinem Pferd feststellen konnte, JETZT hatte er bestimmt eines. Den kritischen Augen von Marina und 23 Prüflingen entging aber auch wirklich nichts. Wir schulten uns in Analytik und Didaktik in positiver Problemdarstellung, in menschlichen Umgangsformen und dem auswendig lernen der Pizza-Taxi-Speisekarte. Abends machten wir es uns im flackernden Schein der Windlichter (huiii wie romantisch ) bequem, schmetterten lauthals Hymnen von Queen und David Bowie für die Stimmschulung und bewunderten unsere Elke bei dem dargebrachten athletischen Luftgitarrensolo ....boah ey, hatte die Gummi in den Beinen.
Wir wuchsen zusammen. Eine fantastische Truppe, die in ihrem Zusammengehörigkeitsgefühl noch auf die Probe gestellt werden sollte.
An der Oberfläche des Kurses eitel Sonnenschein und dazwischen taten sich dunkle Abgründe auf.
Die Gruppe war klasse, die Lehrgangsleiterin machte einen super Job aber die Umweltfaktoren (Sportlehre-Kapitel Faktoren welche die Leistung beeinflussen) setzten uns verstärkt unter Druck. Nach einigen emotionalen Tiefschlägen, vielen Tränen und Unverständnis gegenüber von außen getätigten Bemerkungen sowie der bestehenden Situation auf der Anlage, machte sich eine für diese Fortbildungsveranstaltung unproduktive Stimmung breit. Es kam es zu einer Versammlung aller Prüfungsaspiranten wie mit solch ethisch moralischen Problemen, Sicherheitsmankos und klassischem Mobbing umzugehen sei. Waren wir doch z.B. in den Fachbereichen Ethik und Moral und Sicherheitsaspekt nun bestens geschult und vorbereitet, so waren wir auch bereit die Konsequenzen für uns alle zu ziehen und diese Grundsätze für uns zumindest zu realisieren.
Eine neue, nicht geplante und auch nicht wirklich einfache Herausforderung musste nun bewältigt werden!!!
Trainer müssen flexibel sein....
Nach einer kollektiven Entscheidung und einigen telefonischen Organisationsabläufen, verließen wir mit 19 Pferden, zwei Wohnwägen und diversen Begleitfahrzeugen die Anlage im Kreis Warendorf . WOW EWU Konvoi auf der A2 in Richtung Dortmund soweit das Auge reicht....Das war ein BILD! Wie ein Schwarm fielen wir auf der Anlage des Oliver Neuhaus in Bönen-Lenningsen ein. Mit Hilfe seiner Einsteller schaffte er es in nur 4 Stunden, 19 Boxen für uns bereit zu stellen, frisch gemistet, mit Heu und frischem Wasser versehen. Weidegang, Paddock aufstellen, alles war inklusive. Wir wurden dort herzlich und warm empfangen.
Unsere Pferde bezogen neue Quartiere und wir konnten uns in einem großzügigen Reiterstübchen mit einem fantastischen Kaffeeautomaten breit machen, für viele Tage alle bestehenden Steckdosen mit unseren Laptops blockieren, die Ally-McBeal-Unisextoillette 24h belegen und der superengagierten Dame des Hauses – Christa – die Sisiphusarbeit unserer Bewirtung und Versorgung aufbrummen. Die Einsteller der Anlage Neuhaus zeigten sich sehr kooperativ und neugierig. Sie alle waren wunderbar und wischen kurzerhand der Übermacht und verzichteten für uns auf ihre gewohnte Hallen- und Platznutzung. Ein Gewusel an Menschen, Pferden und Hunden wurde von den ansässigen Reitern ertragen. Vielen Dank an euch auf der Anlage Oliver Neuhaus. Ohne eure Mithilfe und eure Liberalität hätten wir es nach dem Stress des Umzuges sicher nur schwerlich geschafft so gutgelaunt bei der Stange zu bleiben
Solidarität...
Aber was für ein Teamgeist beseelte uns! Jeder half jedem, bis tief in die Nacht wurde an der Umsetzung der Laptopjustierung gebastelt, Theorie abgefragt und in den Fächern Unterrichtserteilung gepaukt und geübt.
Stefan war mit seinem FN -Richtlinienbuch verheiratet und zückte bei jeder Gelegenheit das Werk aus seiner Gesäßtasche sowie das passende, formal korrekte Zitat aus dem Fachbuch. Bei der Unterrichtserteilung ging die Bandbreite des Dargebotenen von Christianes weiblich schüchtern zurückhaltenden Stiles über leichte „Volume Probleme“ von Ulrike bis zu meiner Stewardessmanier frei nach dem Motto:“....die Notausgänge befinden sich .....“ quer durch alle Bereiche.
Wir hatten oft Tränen vor Lachen in den Augen aufgrund Marinas Kommentaren, die mich stellenweise schwer an Dieter Bohlen in Deutschland sucht den Superstar erinnerten . Ein weiteres Highlight war der Geländeritt. Wenn es uns doch möglich gewesen wäre die Trockenübungen in der Halle vernünftig über die Bühne zu bringen. ABER NEIN! Ist nicht wahr! Jenny und ich brauchten mit vielen Diskussionsrunden und ständigem Nachbessern bestimmt eine halbe Stunde, bis wir fähig waren die Kommandos der Straßenüberquerung umzusetzen. Sehr zum Amuesement der restlichen Prüflinge.
Natürlich gab es die obligatorischen Ausfälle an zur Verfügung stehender Pferde. Schon allein sieben Prüflinge sollten den reiterlichen Part auf Schulpferden der Anlage im Kreis WAF ablegen. Eine Weiterführung des Kurses war nur möglich, indem kurzerhand die B Prüflinge Frauke, Sandra, Nicole und Barbara ihre Pferde für die C-Prüflinge zur Verfügung stellten, Eva ihre Stute für Manuela doppelt laufen lies, Herr Gisbert Neuhaus das Showpferd seiner Frau auf die Anlage brachte sowie der Trainer Claus Theurer ein Ersatzpferd nach Bönen-Lenningsen transportierte. Unglaubliches Engagement von allen Seiten, welches alleine schon ausreichte diese Fortbildung in bleibender Erinnerung zu behalten. Auch hier müssen wir uns alle für die Unterstützung der Damen und Herren bedanken, welche uns die Umsetzung unseres Zieles überhaupt ermöglichte.
Unser Dankeschön.....
Um uns für die ganz spezielle persönliche Leistung unserer Trainerin zu bedanken, veranstalteten wir kurzerhand für Marina ein Cutting-Event unter der Obhut des versierten Oliver Neuhaus. Sympathisch und souverän übernahm er die Leitung dieser etwas anderen Cutting-Clinic.Galt es doch erst mal eine Herde von Trainingsanwärter-Rindern zu bändigen. Was für ein Spaß....23 muhende Trainer-C&B´s , flüchtende C-Anwärter und allen voran eine grinsende Marina Perner im deep - cut durch ihre Prüflinge. Diverse Ausbruchsversuche der mutierten Rinderherde wurden vereitelt. Die eine oder andere „Kuh“ landete im Hallenstaub von schallendem Gelächter und Gejohle der „Herde“ begleitet. Es war ein wunderschöner Vorabend des ersten Prüfungstages für die B-Trainer.
Die Prüfung...
Was so an den beiden Prüfungstagen passierte sprengt den Rahmen dieses Artikels. Kurz und prägnant nach Wichtigkeit des Inhaltes der Information geordnet ( denn wir sind ja jetzt alle firm in Theorie und Praxis ) : ALLE HABEN BESTANDEN! Unter den prüfenden Augen und Ohren von Herrn Jochen Held (EWU), Herrn Ingo Hirschkorn (EWU) und -last but not least- Herrn Theo Arndt (FN) verbrachten wir zwei Tage im Taumel von Erwartung und Lampenfieber die mit dem Prädikat : ERFOLGREICH BESTANDEN gekrönt wurden.
Ehrliches Feedback...
Wir freuen uns auf ein Wiedersehen und auf den nächsten gelungenen Kurs mit Marina Perner und Oliver Neuhaus im Frühjahr 2006 unter dem Motto „Cutting for Beginners“ oder ganz einfach Horsemanship zur Verbesserung der Reittechnik.....oh ja wir sind flexibel oder?
Geschrieben im November 2005 von Heike Polleichtner
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